Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen
“Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen”
“Sprich: Oh ihr Wahrheitsleugner
Ich diene nicht dem, dem ihr dient
und ihr dient nicht dem, dem ich diene
und ich werde nicht Diener dessen sein, dem ihr dient
und ihr werdet nicht Diener dessen sein, dem ich diene
Ihr habt eure Religion und ich habe meine Religion”
(Heiliger Quran, Sure 109 Al-Kafiruun)
Ich hatte heute meinen abenteuerlustigen Tag und darum habe ich es gewagt, eine sogenannte Informationsveranstaltung ausgewiesener sogenannter Islamkritiker aufzusuchen. Überschrieben: “Wie tolerant ist der Islam” und veranstaltet von der “Bürgerbewegung Pax Europa” und “Christian Solidarity International”, unterstützt von der “Politically Incorrect” Gruppe München.
Ihr kennt mich: eine coole politische Analyse ist nicht mein Ding und mit dem kurz fassen hab ich auch so ein Problem. Drum fang ich einfach mal an zu erzählen und wenn ich heute Nacht nicht mehr fertig werde, dann mach ich eben morgen weiter. Ich werd mal versuchen, meine ganz persönlichen Eindrücke und die Zusammenfassung der Vorträge voneinander zu trennen, ebenso wie die sachlichen Antworten auf bestimmte Vorwürfe dem Islam gegenüber – die meisten dieser Anschuldigungen habe ich allerdings schon mal angesprochen und werde dann ggf. dorthin verweisen.
Ich war nur fast alleine – erst einmal hatte ich einen netten Tischnachbarn (*rüberwink*), zweitens waren zwei islamische Brüder da, die tapfer versucht haben, den Islam zu erläutern wie er wirklich ist. Dass sie dabei gegen eine Übermacht mit festgefügter Meinung keine Chance hatten war klar.
Falls Ihr Euch fragt, was ich getan habe: ich war stille. Erstens hab ich mich noch nicht wirklich davon erholt, auf der letzten Veranstaltung bei der ich den Mund aufgemacht habe, angespuckt worden zu sein. Zweitens wollte ich mal ganz in Ruhe mitschreiben und zuhören. Ich war also so unauffällig wie möglich. Das hat den Vorteil, dass “Volkes Stimme” sich nicht auf die Zunge gebissen hat im meiner Nähe und was da so herauskommt, kann ganz schön furchterregend sein, aber sonst bekommt man es nicht zu hören.
Die Veranstalter haben sich sehr bemüht, im Rahmen der Verfassung zu bleiben, zum Leidwesen mancher Anwesenden, die sich gerne gewünscht hätten, dass man “schon weiter” wäre. Als die offiziell anwesenden Muslime die Veranstaltung verlassen hatten, wurde der Ton auch sehr viel weniger moderat, auch seitens der Veranstalter.
Als gelernte Deeskalationstrainerin weiß ich: Angst und Aggression sind ein Paar. Wenn also eine solch angstbesetzte Stimmung gegenüber dem Islam herrscht, dann müssen auch wir Muslime uns fragen, ob und was wir etwas falsch machen – und da gibt es natürlich Grund zur Selbstkritik. Andererseits: man kann die Ängste von Menschen auch schüren und ausnutzen und das wird hier ganz offensichtlich getan.
Versuch ich mal, auf die zwei Referate einzugehen:
Wilfried Pohl-Schmidt, katholischer Theologe, Jahrgang 1944, hat sein Theologiestudium um die Zeit des 2. vatikanischen Konzils absolviert – wie er sagt in einer dem Islam positiv gegenüberstehenden Atmosphäre. Er nahm an Gesprächsrunden mit Muslimen teil, hat aber selber den Koran erst viel später gelesen und fühlt sich im Nachhinein betrogen von dem wie er sagt “friedlich-freundlichem Geschwätz” dass er in den Dialogveranstaltungen damals als Islam vorgestellt bekam. Erst beim Eigenstudium des Korans und des Lebens des Propheten Muhammed, Friede und Segen sei mit ihm, sei ihm die Wahrheit über den Islam aufgegangen. Und – wie es natürlich bei den Veranstaltern klar ist – ist die Fragestellung “Wie tolerant ist der Islam” natürlich schon beantwortet – nämlich gar nicht.
Überwiegend ging Herr Pohl-Schmidt auf vorgebliche Judenfeindlichkeit des Islams ein. Jetzt muss man trennen: Die üblichen Verse über die “Ungläubigen”, denen man “auf die Nacken hauen” muss usw. wurden natürlich zitiert. Wie immer, aus dem Zusammenhang genommen und es wird natürlich unterstellt, dass es sich um Juden und Christen handelt – der historische Zusammenhang dieser Verse wird verschwiegen.
Jetzt kann ich bei einem studierten Theologen wie Herrn Pohl-Schmidt nicht davon ausgehen, dass er nicht die Möglichkeit und Mittel gehabt hat, sich ein umfassendes Bild über den Islam zu machen. Selbst ich, die nicht theologisch ausgebildet wurde, bin in der Lage mir die nötigen Informationen zu verschaffen. Und in Herrn Prof. Kuschel, bei dem ich ein sehr informatives Seminar besucht habe, lernte ich einen katholischen Theologen mit fundierten Kenntnissen aller abrahamischen Religionen kennen, der als überzeugter Katholik dennoch ein ausgewogenes Bild des Islam vermitteln kann. Für Anfänger habe ich hier ein paar Informationen zusammengetragen (4 Artikel).
Also muss ich davon ausgehen, dass Herr Pohl-Schmidt wissentlich den Islam falsch darstellt, als eine kriegerische Religion, die “mit dem Schwert” verbreitet wurde und besonders den Juden feindlich gegenübersteht.
Herr Pohl-Schmidt bringt als Nachweis dessen eine Rezension eines Buches an, das von der Ditib vertrieben würde und viele islamische Aussagen über die angebliche Boshaftigkeit, Habgier und den Hochmut der Juden verbreiten würde. Ich kenne das Buch nicht und werde mal versuchen, etwas darüber rauszufinden. Wenn es tatsächlich in der Art gestaltet ist, dann ist das natürlich eine Schande.
Und: man darf es nicht abstreiten – es gibt einen verbreiteten Antisemitismus unter Muslimen. Leider. Dieser hat sicher eine Ursache darin, dass nicht alle Muslime sehr geschichtsinteressiert sind und sich mit sehr verkürzten Darstellungen historischer Ereignisse im ersten islamischen Staat von Medina zufriedengeben. Plus das zionistische israelische Regime, das dann gerne auch mit dem Judentum in einen Topf geworfen wird, obwohl es viele gläubige Juden gibt, die darin einen völligen Widerspruch sehen.
Selbstkritisch müssen wir Muslime wirklich sein, wenn es um die geschichtliche Bildung geht. Als Shiitin bin ich besonders an islamischer Geschichte interessiert und wir Shiiten stehen ja vielen Entwicklungen der frühen islamischen Zeit nach dem Propheten sehr kritisch gegenüber. Über Anlässe für kriegerische Auseinandersetzungen habe ich auch schon geschrieben – und über das sehr bedachte Vorgehen des Propheten, s.a.s.
Ich gebe zu, dass ich mit dieser Artikelreihe noch nicht weitergemacht habe, über die Zeit des Propheten hinaus, außer vielleicht in meiner Ashura Reihe aus dem Monat Muharram. Immer über Kriege zu schreiben ist natürlich auch deprimierend.
Wie gesagt – die Veranstalter haben sich bemüht, vorsichtig zu sein und der Hetze nicht freien Lauf zu lassen. Trotzdem waren genug Andeutungen (“wir wissen doch alle, was die Scharia ist, oder?” – natürlich wissen alle Bescheid und so wird auch nichts erklärt – für die, die doch was lernen wollen : nachzulesen bei eslam.de) Das erklärte Ziel der Veranstaltung war natürlich auch nicht eine unvoreingenommene Information über den Islam, sondern die Bestätigung eines bereits gefassten Urteils – man trifft sich ja, um die “Islamisierung” aufzuhalten.
Ich merke, dass ich eigentlich inhaltlich nicht viel über den Vortrag sagen kann – er war eben nicht besonders gehaltvoll. Vielleicht gehe ich noch auf ein paar Zitate näher ein, wenn ich den Tafsir dazu gelesen habe. Im Gegensatz zu Herrn Pohl-Schmidt, der es als Theologe eigentlich besser wissen sollte, weiß ich nämlich, dass einfaches Lesen und selbst interpretieren nicht die Methode ist, den Koran wirklich zu verstehen.
Also zum zweiten Teil, dem Vortrag von Thomas Groß, Pressesprecher der Christian Solidarity International, einer Organisation die sich mit der Menschenrechtssituation von Christen in nichtchristlichen Ländern beschäftigt. Auch hier: Selbstkritik darf nicht unterbleiben. Es gibt in der Tat in vielen muslimisch geprägten Ländern Übergriffe gegen Christen, sei es staatlich oder von Bürgern.
Herr Groß macht es geschickt – und hat auch nicht unrecht damit – indem er sich schlicht auf die Darstellung von Übergriffen und Verbrechen beschränkt, vorgeblich ganz unideologisch und nur an der Wahrheit und dem Leiden der Menschen interessiert. Recht hat er damit, dass diese Leiden schrecklich sind, dass Verbrechen geschehen die nicht zu entschuldigen sind. Tendenziös wird er dort, wo er so tut, als ob der Islam an diesen Verbrechen schuld wäre, während das in vielen zitierten Fällen nicht der Fall ist: im Irak werden nicht nur Christen entführt und christliche Kirchen bombardiert, in der Türkei sind die Morde an Christen nicht islamisch motiviert, sondern im Gegenteil nationalistisch. Die gepriesenen Menschenrechte werden gerade in den Ländern nicht umgesetzt, die besonders eng mit dem Westen verbunden sind: warum gibt es denn keine Sanktionen gegen Pakistan, Ägypten und die Türkei, wenn doch dort die Religionsfreiheit so mit den Füßen getreten wird? Warum wird total ausgeblendet, welche Schuld die ehemaligen Kolonialmächte an der für alle Bevölkerungsgruppen desolaten Situation in manchen Ländern Afrikas tragen?
Diese Themen blendet er aus und am Ende steht der Islam als Menschenrechtsfeindlich da – begründet auch anhand der Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam. In der auch das Wort “Scharia” vorkommt – und – wir wissen doch was das ist – bedeutet das Handabhacken und Aufhängen. Und das Schlagen von Frauen. Das hatten wir auch schon mal.
Der Islam ist in den Augen dieser Leute eine Ideologie, keine Religion. Es fehlt jegliches Bemühen, die Spiritualität des Islam zu erkunden. Ich spüre die Angst der Leute und wie gesagt, wir müssen als Muslime selbstkritisch sein, was wir falsch machen. Allerdings liegt das falsche Benehmen so mancher Muslime an zu wenig Islam, wie ich immer sage, nicht daran, dass sie zuviel über ihre Religion wissen. Schlecht benehmen sich die, die ihre Religion nicht studieren und praktizieren.
Nur: an uns liegt es nicht alleine. Ich habe “Volkes Stimme” heute gehört. In diesem Fall hat man sich in einer “jüdisch-christlichen” Werteordnung eingerichtet. Gegen Juden geht es also nicht mehr. Ein anderes Feindbild muss her.
Ein paar Zitate, heute live gehört:
“Araber sind Läuse”
“Die Muslime müssen von ihrer Zwangsjacke befreit werden”
“Die Türken wollen nicht arbeiten”
“Muslime wollen nicht alle Christen bekehren, dann können sie sie ja nicht mehr unterdrücken (Steuern kassieren)”
“es wird krachen…..”
Ich belasse es mal dabei für heute nacht. Es gibt noch einige zitierte Stellen, denen es sich vielleicht lohnt nachzugehen, mal sehen was ich herausfinden kann. Insgesamt bin ich nicht in guter Stimmung dort herausgegangen, auch wenn es noch eine heitere Pointe gab, die hat Leo schon zitiert:
Zugabe:
Ganz zum Schluss ließ ein Herr aus meiner Alterskohorte und von vergleichbarer Korpulenz mal seine wuchtige Verschwörungstheorie raus: Rhetorisch gekonnt und in sympathischem Tonfall zeigte er auf, dass hinter dem Islam und der muslimischen Eroberung Europas — die Kommunisten stehen. Die Kommunisten! Nach ihren Niederlagen hätten sie einen neuen Weg eingeschlagen. Verkleidet als Sozialdemokraten und Grüne hätten sie die muslimische Flut auf Europa losgelassen, um letztlich von diesen eingewanderten muslimischen Massen an die Macht gehievt zu werden. Nicht eigentlich die Muslime seien also das Problem, sondern die Kommunisten. Das heißt einer wie ich!
Das Lachen bleibt mir dann aber wieder im Hals stecken, wenn dieser Herr – im Irak tätig – behauptet, es gäbe dort keine Uranmunition (“kommunistische Propaganda”) und deren Folgen (“der Krebs kommt vom süßen Essen und die mißgebildeten Kinder von der Inzucht”)